Nachtgedanken

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Gedanken gedankenreicher Nächte - aktuelle Essays


Virales Marketing ist nicht per se ein Erfolg


von :  |  20.03.2009 18:22:44

Am Wochenende vor dem Serienstart der neuen Mystery-Serie Fringe setzte Pro7 gezielt diese Fake-Nachrichtensendungen ein, um Aufmerksamkeit für die Serie zu bekommen.







Der Verdacht liegt nahe, dass Pro7 auf eine virale Verbreitung dieser Nachrichten setzte. Man hatte wohl die Hoffnung, die zunächst geschockten Zuschauer würden diese Sensationsnachrichten in ihrem sozialen Umfeld als Mundpropaganda verbreiten und im Internet erregt in Chats, Diskussionsforen und in Communities über den Wahrheitsgehalt diskutieren.


Vorläufig geben die guten Einschaltquoten Pro Sieben Recht. Der Missbrauch der Nachrichtensendung Newstime für eigene Werbezwecke des Senders war erfolgreich. Aber es bleibt abzuwarten, ob dieser kurzfristige Erfolg auch langfristig anhält. Vielleicht wird langfristig sogar ein gravierender Imageschaden als Ergebnis zu verbuchen sein.


Die Kommentare zu den Fake-Nachrichten auf youtube und in Onlinemagazinen sind in der überwiegenden Mehrheit negativ. Entrüstet äußern sich hinters Licht geführte Zuschauer über die „geschmacklose“ Werbekampagne.


Virales Marketing bietet die große Chance, mit wenigen Mitteln Werbematerial in Umlauf zu bringen, das sich dann wie ein Lauffeuer verbreitet. Aber es besteht auch die große Gefahr, die los getretene Lawine nie wieder stoppen zu können.


Selbst wenn der Sender es wollte: Pro7 wird die Fake-Videos niemals wieder aus den Tiefen des Internet heraus bekommen, ebenso wird trotz größter Anstrengungen von Youtube, der SPD und des Radiosenders FFN diese verbotenerweise veröffentlichte Telefonverarsche nicht wieder aus dem Netz verschwinden. Wird es an einer Stelle gelöscht, dann taucht es an anderer Stelle wieder auf.




Auch der Autohersteller Ford hat die negativen Auswirkungen viraler Verbreitung von Werbemitteln zu spüren bekommen. In TV-Spots sollte der neue Kleinwagen „Streetka“ als sportliche Alternative zu dem als Frauenmobil verschrieenen Ka positioniert werden. Der Streetka sollte als „böser Zwilling“ des Ka daher kommen .


Diesen Spot fanden viele Fernsehzuschauer zunächst noch witzig:




Welcher Autofahrer hat sich noch nicht über aggressiven Vogeldreck auf dem Autolack geärgert? Tauben haben gerade unter Großstädtern keinen guten Ruf, gerne setzt man sie als „fliegende Raten“ mit Schädlingen gleich.


Zwar kommt in diesem Spot ein Tier ums Leben, aber die Taube ist eben kein Sympathieträger und der Großteil der Fernsehzuschauer weiß, dass in der Regel nicht wirklich ein Lebewesen sterben musste, auch wenn es im Fernsehen so gezeigt wird.


Mit dem nächsten Spot schnitt sich Ford allerdings ins eigene Fleisch, er löste heftige Proteste aus und das nicht nur seitens militanter Tierschützer sondern auch aus der gemäßigten Mitte, die als Zielgruppe angepeilt wurde:




Langsam und grausam bringt der sportliche Kleinwagen einer Katze hinterlistig den Tod. Hunde und Katzen sind die die beliebtesten Haustiere überhaupt und Ford hat bei zahlreichen Tierfreunden sämtliche Sympathie eingebüßt, weil in diesem Spot der Sympathieträger Katze gekillt wurde.


Ford reagierte schnell und stoppte die weitere Ausstrahlung beider Stopps. Doch es war zu spät, die Clips verbreiteten sich weltweit und sind auch heute noch, wie wir gerade gesehen haben, problemlos auf youtube zu finden.


Jeder Werbetreibende sollte sich bewusst sein, dass sich die Geister, die er ruft, auch gegen ihn wenden können. Ist eine Botschaft erst einmal abgefeuert, dann lässt sie sich nicht wieder einfangen.


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Tags :

marketing,viral,mundpropaganda,ka,streetka,bumerang,kampagne,fehlgeschlagen,negativ,folge,ypsilanti

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