Das Blut tropfte auf die Krawatte des
Mannes. Er war bewusstlos, immerhin nicht so schlimm wie ich befürchtet
hatte. Ich ließ den Bürsotuhl inklusive Schlipsträger und tastete mich
langsam durch die Gänge.
Mus schien aufzukommen..Ich folgte den Von irgendwo kam Musik zu mir
hergedrungen. Ich bewegte mich näher zur vermeintlichen Quelle hin, und
tatsächlich, mir schallte “Pure Vernunft darf niemals siegen” von
Tocotronic entgegen.
“Pure Vernunft darf niemals siegen, Wir brauchen dringend neue Lügen.
Die uns durchs Universum leiten Und uns das Fest der Welt bereiten.
Die das Delirium erzwingen Und uns in schönsten Schlummer singen.
Wir sind so leicht, dass wir fliegen,
Wir sind so leicht, dass wir fliegen…”
lalala…lala lalala…lala
Ich kam in einen Raum, der allem Anschein
nach eine Art Küche und Aufenthaltsraum war. Fünf weitere Anzugträger
rollten auf Bürostühlen in einer wirren Choreografie herum und sangen
lauthals den missverstandenen Text mit.
“Pure Vernunft, darf niemals siegen, wir sind so leicht, dass wir fliegen.”
Auch ihnen tropften erste Blutstropfen aus der Nase. Es schien sie aber nicht zu kümmern.
Sind die auf den gleichen Antidepressiva wie ich oder was haben die für Zeugs intus? fragte ich mich in Gedanken. Eine Antwort blieb aus.
In einem verglasten Raum, dem Schild an der Tür nach die Bibliothek,
saßen zwei Mittzwanzgerinnen. Zwar ohne Nasenbluten, dafür völlig
verzweifelt.
“Fünf Jahre studieren, zwei Referendariat. Schrecklich, schrecklich.
Schrecklich, schrecklich” brabbelten sie wie in Endlosschliefe vor sich
hin. Jurastudium also schonmal nicht gut, soso.
Waren hier alle einfach nur überarbeitet, eine Art C/LS-Krankheit?
Oder war etwas im Wasser? Diese und noch viel mehr Fragen stellte ich
mir, als auch die beiden Frauen, die mich nicht bemerkten, anfingen zu
bluten.
Ich musste ganz schnell in Stockwerk 8…