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Prinzessin Arschloch
von: Talentchen |  06.09.2010 23:21:04
...Morgens habe ich kaum Zeit aufzustehen, ich beschimpfe Gegenstände an denen ich mich stoße, wenn ich putze bringe ich den Nachbarn gute Musik bei und wasche mir den Staub des Alltags aus der Seele! Was das Niveau betrifft bin ich relativ flexibel! Vieles was ich erlebt habe wäre asozial wenn ich es nüchtern gemacht hätte. Getreu dem Motto "Ich geh mich mal kurz blamieren!" kam es schon vor dass ich zwar nicht mehr laufen konnte aber mein Tanzstil ein ganz besonderer war! Ob ich dabei gut ausgessah, kam immer ganz darauf an, neben wem ich grade stand! Sollte ich tatsächlich mal schlechte Laune habe, weil mich mein bescheuertes, nicht sitzen wollendes Haar reizt werde ich kurz zu Prinzessin Arschloch. In diesem Falle also kurz den Mund halten wenn ich Dich unterbreche, denn während Du sprichst korrigiere ich vielleicht schon in Gedanken Deine Grammatik. Du lachst? Das ist oft so.. Leute lachen und dann werden sie mit 7 Stichen genäht! Ich liebe mein Vaterland genau wie meine Muttersprache, und wenn ich nicht grade beruflich mit dem Gesetz gegen das Gesetz arbeite oder an mir selbst und meinem dreisten Verhalten, werfe ich lässig die Sinnlosigkeit von einer Hand in die andere oder spiele "Zack!..verdrängt!" ich beherrsche dieses Spiel von der Pike auf und Ironie ist mein Ass im Ärmel! Zum Schluß noch einen Satz an den feinen Herrn Amor: "Gib mir diesen verfluchten Pfeil! Ich mache den Scheiß jetzt alleine! Auf dem Tisch steht 'ne Packung "Leck mich am Arsch" bedien Dich und gibt deinem Kollegen Schicksal was ab!" Falls ich jetzt nicht frech oder kess, gewagt bis keck genug bin, bedenke dass ich von: lol - Grußdalass u. kotzen muss. Das ist meine Art der professionellen Distanz. Jetzt möchte ich mich noch kurz für mein Verhalten bedanken und fragen ob mir mal jemand das Wasser reichen könnte ..?? Vielen Gruß von mir an Dich, hochachtungsvoll Ich ! ;-)
 

Tags: 

Profile, Amüsant, Ich und Sie, Ironie

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Der ganz normale Wechseljahrwahnsinn
von: Smilla |  02.09.2010 10:29:25

Der ganz normale Wechseljahr-Wahnsinn

Jammern war gestern

Ich in den Wechseljahren“!!? Aufbrausend, cholerisch, Stimmungschwankungen!!?

So ein Blödsinn! Ich habe doch keine Stimmungsschwankungen. Bah, ich und Stimmungsschwankungen - ich könnte schreien vor Wut.

Aufbrausend und cholerisch sei ich geworden. Das kann doch alles gar nicht wahr sein. Bin ich denn nur noch vor lauter Verrückten umgeben. Eine verzerrte Realität wird mir hier entgegengeschleudert. Das stimmt doch alles gar nicht.

Ich kann nicht in den Wechseljahren sein! Unmöglich!!

Oder etwa doch?

Nein, es geht mir gut und überhaupt – Ihr geht mir alle auf den Senkel mit euren Wechseljahrsgerüchten. Ich bin topfit und in bester Kondition – von einigen Dingen mal abgesehen, welche ich hier nicht genauer erläutern möchte.

Heimlich chatte ich mich durchs Thema Wechseljahre – kaufe Bücher und informiere mich. Was ich da alles lese, ich müsste zuerst einen Doktortitel erlangen, um das alles wirklich zu verstehen. Wie das wohl andere Frauen machen? Ich bin frustriert und muss zuerst mal ein kleines Prosecco zu mir nehmen, damit meine Laune ein wenig besser wird.

Hoffentlich schadet der Prosecco nicht! Der Gedanke verschwindet genauso schnell wie er gekommen ist. Soll ich mich denn wegen dem bisschen Schwitzen aus der Ruhe bringen lassen? Nein, nicht mit mir! Genüsslich gönne ich mir noch ein zweites Glässchen.

Am nächsten Tag sitze ich im Auto – nach dem vierten Kaffee und der sechsten Zigarette fange ich wie aus heiterem Himmel an zu schwitzen. Sie sind da – die Wechseljahre – zu hoher Blutdruck wegen dem vielen Kaffee (und Prosecco) und den Zigaretten. So ein Mist – bin ich also doch schon in den Wechseljahren gefangen.

Für mich steht es fest – mit 41 Jahren bin ich bereit für den Kampf gegen die Wechseljahre.

Ach ja, mein Name ist Clara und ich arbeite als Trainerin. Ich versuche Managern, Führungskräften und Mitarbeitenden zu vermitteln, dass Werte in unserer Gesellschaft wieder Einzug halten sollten. Nach dem Motto – zurück zu unseren Wurzeln – zurück zu etwas mehr Gelassenheit. Da bin ich ja gerade die Richtige!

Ziemlich anstrengend und ziemlich aufregend dieser Job. Denn ich habe jeden Tag mit anderen Menschen, Zielen, Ängsten und Freuden zu tun.

Ich würde schon behaupten, dass ich diesen Job sehr gerne mache. Es gibt zwar Tage an denen mir schon das Aufstehen schwer fällt – in letzter Zeit kommt das leider öfter vor, als mir lieb ist.

Und heute ist genau wieder so ein Tag. Ich habe schlecht geschlafen, keinen Kaffee mehr zu Hause und das Brot ist grau.

Das kann ja ein schöner Tag werden!

Ich fahre weiter über die Landstrasse da rastet mein Herz fast schon wieder aus. Diese Sonntagsfahrer auf den Strassen. Ich kann es nicht fassen, können die denn nicht etwas später auf Tour gehen. Ich muss heute noch zur Arbeit. Am liebsten würd ich den Kerl anhupen – der geht mir tierisch auf den Senkel – aber keine Chance! Je mehr ich mich aufrege desto langsamer wird dieser Typ. Einfach unverschämt!

Ich gebe es ja zu, Schleicher haben mich schon früher tierisch aufgeregt. Aber jetzt scheinen sie mich noch mehr aufzuregen. Meine wild gestikulierenden Handbewegungen, meine ewig währenden Schimpftiraden- mein Vordermann lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Gut haben Männer keine Wechseljahre! Oder etwa doch?

Erschöpft lasse ich mich auf den Bürostuhl fallen und muss zuerst eine Rauchen gehen und mir einen starken Kaffee besorgen. Mein Herz rast und ich kann es nicht lassen mich immer noch über den Schleicher im Auto aufzuregen. Bin ich denn nur von Idioten und Ignoranten umgeben? Die Welt ist am Abgrund, dass ist mir an diesem Morgen klar. Und ich bin mitten in meinem ganz persönlichen Klimawandel angelangt.

Ich höre auf jedes Anzeichen meines Körpers. Heute hatte ich wieder mal die verhassten Schwitzanfälle. Es ist mir unheimlich, was da in meinem Körper vorzugehen scheint. Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr Beschwerden tauchen auf. Ich bin verwirrt und wütend. Warum nur muss ich denn jetzt schon in den Wechseljahren sein?

Ich versuche mich abzulenken. Ich schiebe mir ein grosses Stück Kuchen in den Mund und trinke eine starken Kaffee dazu. Aber Moment mal – Kuchen, Kaffee, ist das denn wirklich Gesund bei meinem Zustand? Was für ein Zustand denn? Ich bin ja nicht schwanger, sondern in den Wechseljahren. Über diese Erkenntnis muss ich sofort eine Rauchen gehen. Aber Stopp – Rauchen soll ja auch sehr ungesund sein. Blutdruck zu hoch, Cholesterin-Werte waren auch schon mal besser, und ja, abnehmen sollte ich ja auch.

Und wenn der grosse Herzinfarkt kommt. Hab ich nicht neulich gelesen, dass Frauen in meinem Alter weniger Trinken und weniger Rauchen sollten. Und Kaffee ist sicher auch nicht förderlich.

Ich bin frustriert und durcheinander. Wie soll ich diese verdammten Wechseljahre nur überstehen?

Ich treffe mich mit Lara einer Kollegin die ebenfalls als Trainerin arbeitet. Lara ist ein paar Jahre älter als ich und sollte daher auch schon in den Wechseljahren sein. Vielleicht hat Sie ja einen Tipp für mich.

Wenn ich gewusst hätte was mich erwarten würde, hätte ich wahrscheinlich darauf verzichtet. Aber wer A sagt muss bekanntlich auch B sagen. Ich auf jeden Fall, denn Nein sagen war noch nie meine Stärke.

Nein ich bin doch noch zu jung für die Wechseljahre“! Sie ist übrigens 51! Bumm, das hatte gesessen. Hatte ich mich etwa in ein Wespennest gesetzt? Wie komme ich da nur wieder raus? Ihre Augen funkelten als wollte Sie mich durchbohren. Sie schaute mich so durchdringend an, dass ich das Gefühl hatte ich werde gleich ohnmächtig.

Aber weisst Du zur Zeit beschäftige ich mich mit den wichtigen Fragen des Lebens“.

Aha, was waren wohl die wichtigen Fragen des Lebens?

Obwohl verwirrt, war ich natürlich sehr neugierig was jetzt kommen würde. „Ich schwitze in letzter Zeit so und ich habe sowieso das Gefühl, dass die Welt im Ungleichgwicht ist“.

Aha!

Ich war noch verwirrter. Was hatte Laras Schwitzen wohl mit dem Ungleichgewicht der Welt zu tun?

Die Welt ist aus den Fugen geraten, die menschliche Rasse droht sich selbst auszurotten und dann noch der grosse Druck der auf meinen Schultern lastet“. Lara atmet tief durch und schaut mich mit Ihren grossen braunen Augen an. Fehlt nur noch, dass Sie anfängt zu weinen, denke ich.

Noch bevor ich etwas sagen kann legt Lara los – und wie!

Im Winter mache ich Lichttherapie, im Sommer gehe ich zu meiner Heilpraktikerin, im Frühling mache ich Joga und im Herbst nehme ich meine Steine hervor“.

Hä!

Ich verstehe nur Bahnhof, aber das ist wohl auch nicht wichtig.

Und was machst Du“? Durchdringend schaut mich Lara an. Ich fühlt mich überrumpelt und mein Mund bleibt offen stehen. Ich muss jetzt irgendetwas intelligentes sagen. Denke nach, denk doch nach...

Ich versuche weniger zu rauchen, weniger Kaffee zu trinken und mich mehr zu bewegen“.

Mann bin ich stolz auf meine Aussage.

Du musst nur ans Universum glauben, dann kommt alles gut“.

Hä, das Universum –

War Sie nun betrunken, oder hat Sie sonst was eingeworfen.

Ich muss jetzt zurück, sonst habe ich keine Zeit mehr mich auf den Nachmittags Kurs vorzubereiten. Schnell mach ich mich aus dem Staub.

Ich krieg bald die Krise.

Ich bestelle einen Espresso und inhaliere den Zigarettenrauch tief in meine Lunge hinab. Tja die Welt war ziemlich verrückt.

Ich denke nochmals über das Gespräch mit Lara nach. Wie hat Sie das wohl gemeint – ich solle mich ans Universum wenden?

Sollte ich mich wirklich ans Universum wenden?

Schwachsinn!

Als mein Handy klingelte war Lara dran. Ich befürchtete schon, dass ich mich fürs Universum bereit halten sollte. Aber oho – ich liess mich fürs Yoga bequatschen. Das hatte ich mir ganz selbst eingebrockt. Es wird Dir helfen Dich fallenzulassen und Dich nur auf Dich zu besinnen. Du wirst sehen, es wird Dir helfen Dich zu entkrampfen“.

War ich denn verkrampft, musste ich mich fallenlassen? Keine Ahnung, aber nun hatte ich schon zugesagt und ich machte mich am nächsten Tag auf ins Yoga.

Der Geruch von Räucherstäbchen blies mir in die Nase und ich hörte ganz leise Musik die ich vorher noch nie gehört hatte. Es klang nicht nach richtiger Musik, sondern war eher ein sanftes Glockengeläut.

Der Trainingsraum war klein und das Licht war stark zurückgedreht. Fast wäre ich über die Türschwelle gestolpert, konnte mich im letzten Moment noch retten. Oh wie peinlich wäre das gewesen.

Es waren ungefähr ein Dutzend Frauen in dem Raum inklusive der Yoga Lehrerin. Frau Koller war eine zierliche und sympatische Frau von etwa 50 Jahren. Sie hatte dunkle Haare und soweit ich erkennen konnte auch dunkle Augen.

Ihre Stimme war angenehm sanft und ruhig.

Wie die anderen Frauen auch legte ich mich auf eine am Boden liegende Matte.

Ich schaute mich um und versuchte mich zu konzentrieren. Die anderen Frauen wiegten Ihre Körper hin und her und stiessen dabei nicht hörbare Geräusche aus. Das war wohl die Aufwärmphase dachte ich.

Du musst alle Probleme loslassen“, sagte Lara zu mir. „Du kannst auch weinen oder schreien“.

Probleme, weinen, schreien! Hatte ich denn Probleme? Wollte ich weinen oder schreien?

Ich musste wohl sehr grosse Probleme haben!

Durch Yoga soll meine potentielle Energie auferweckt werden. Sie soll zum Fliesen gebracht werden, weil der Körper überall, an jedem Punkt mit der Energiequelle verbunden ist. Die Haltung die Buddha benutzte, heisst padmasan, die Lotus-Haltung. Buddhas Haltung ist eine runde Position. Frau Koller bietet unter anderem auch Spiritual Coaching und Retreats an. Was das auch immer zu bedeuten hat.

Frau Koller gibt uns Anweisungen und schaut dabei ganz eindringlich in die Runde.

Meine Lieben, mit den Yoga-Stellungen (Asanas) und der Atmung (Pranayama) versuchen wir nun einen widerstandsfähigen Körper zu erlangen. Dieser wird dann ein Instrument um das geistige Wachstum und Meditation (Divana) zu entwickeln.“

Aha?!

Es scheint als ob alle enttrückt seien, ausser mir, denn ich habe keine Ahnung was hier vor sich geht. Vielleicht bin ich ja in einer Sekte gelandet!

Wenn ich wieder zu Hause bin muss ich mich unbedingt im Internet schlau machen, was das alles bedeutet.

Ich versuche mich nun mit den Yoga-Stellungen, was gar nicht so einfach ist. „Lass Dich fallen, losgelöst von Deinen Problemen und Ängsten“, sagt Frau Koller zu mir.

Der Duft der Raucherstäbchen und das Glockengeläut in meinen Ohren verhindert meine Konzentrationsfähigkeit. Ich muss unbedingt Gähnen, aber getraue mich nicht. Also verklemme ich es mir.

Mir tut der Rücken weh von diesen eigenartigen Stellngen. Das kann doch kein Mensch aushalten, denke ich.

Ein- und Ausatmen, Ein- und ausatmen, und nochmals von vorne. Mir wird schwindlig und übel. Ich schaue kurz zu den anderen auf. Alle scheinen hochkonzentriert zu sein.

Vielleicht bin ich ja einfach zu blöd für Yoga.

Als dann alle in ein kollektives Schweigen oder Schlafen, oder vielleicht Meditation verfallen, bin ich vollends am Ende meiner Kräfte. Am liebsten würde ich aufstehen und davonrennen. Aber das kann ich nicht. Also versuche ich es weiter. Ich will mich konzentrieren, ich will mich auf das Atmen konzentrieren – es gelingt mir einfach nicht.

Wenn mich jetzt meine Kursteilnehmer sehen könnten.

Lara ist ziemlich enttäuscht von mir. „Du kannst Dich einfach nicht fallenlassen. Irgendetwas stimmt doch nicht mit Dir. Du musst gegen Deine Probleme etwas tun“!

Welche Probleme denn, denke ich. Auch ich bin enttäuscht und frustriert. Denn eigentlich bin ich ja nur auf der Suche nach den Wechseljahren. Aber wo sind Sie denn?

In der Yoga-Schule auf jeden Fall nicht.

Die Welt ist im Chaos“, fängt Lara an. „Du musst Deinen Platz im Leben noch finden. Aber ich denke Du bist noch nicht so weit“.

Was soll das denn wieder heissen?!

Der Weg geht nur über die Liebe und Dein Herz. Du musst ans Karma glauben“.

Karma?

Also, Karma ist spirituell“.

Aha!

Es bezeichnet ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung, körperlich wie auch geistig, unweigerlich eine Folge hat. Dies muss nicht unbedingt in Deinem Leben hier auf der Erde wirksam werden, sondern kann sich auch erst in einem Deiner nächsten Leben manifestieren“.

Ich verstehe. Wieviele Leben habe ich denn?

Du musst spiritueller werden, dann wirst Du das Universum entdecken und verstehen“.

Ich verstehe nur Spirituell.

Spirituell, Karma, Universum. Es wird mir schwindlig und mir ist schlecht. Schwitzen tue ich sowieso und mein Herz rast. Vielleicht hat Lara ja recht, mein Karma ist nicht wirklich ausgeprägt – also muss ich meine spirituelle Ader suchen, damit ich das Universum verstehe!

Aber wo soll meine Suche nach dem Karma beginnen? Vielleicht kennt meine Freundin Claudia die Antwort.

Claudia ist so alt wie ich und sieht noch verdammt gut aus. Wie die das wohl macht. Die hat noch kein graues Haar, keine Falten und nichts. Vielleicht verrät Sie mir Ihr Geheimnis.

Karma, Karma“, stönt Claudia. „Du musst gesund leben meine Liebe“.

Gesund leben – Aha.

Und wie geht das“, frage ich Claudia. „Ganz einfach meine Liebe“. Wie ich dieses Wort doch hasse!!

Du verwöhnst Dich mit dem Anti-Aging Programm von Lilli B. Das ist wirklich ganz toll. Sie hat Masken, Öle, und Cremés. Das musst Du einfach ausprobieren. Du fühlst Dich anschliessend wie neugeboren. Und gegen den Winterblues habe ich Dir auch noch einen Tipp. Geh doch einfach ins Solarium“.

Aber zu viel Solarium birgt doch die Gefahr von Hautkrebs“. „Papperlapapp“, sagt Claudia. „Da wird doch übertrieben“.

Und die Ernährung ist ebenfalls sehr wichtig. Keine Kohlenhydrate mehr“.

Wasssss! Keine Kohlenhydrate. Das bedeutet ja, kein Brot, keine Pasta, keine Kartoffeln, keine Pommes.

Keine Pommes!

Nein, das kommt überhaupt in Frage. Ich soll auf all das verzichten, was ich im Laufe meines Lebens lieb gewonnen habe.

Bist Du sicher, das es wirkt“? Frage ich vorsichtig.

Sie schüttelt Ihre Löwenmähne – fehlt nur noch das Sie anfängt zu fauchen. „Schau mich doch an. Ich bin das blühende Leben. Aber Du musst es ja selber wissen was für Dich gut ist“.

Wenn ich das nur wüsste!!

Zum Schluss gibt Sie mir noch den Tipp, dass ich mal Twittern soll, oder wie wärs mit Facebook. „Du kannst mich jederzeit auf den Handy anrufen“. Sie winkt mir noch zu und stolziert mit Ihren Stöckelschuhen und Ihrem (zu) kurzen Rock davon.

Twitter,Facebook! Eine grauenvolle Vorstellung. Ich hasse diese Form der Kommunikation. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich mit dieser Einstellung zu den Dinos gehöre, aber das ist mir egal. Es grenzt ja schon an ein Wunder, dass ich ein Handy besitze.

Irgendwann werden wir wahrscheinlich gar nicht mehr miteinander reden, sondern uns nur noch zutwittern.

Aber ich weiss immer noch nicht wo die Wechseljahre sind! Ich mache mich also weiter auf die Suche.

Renate und ich sind zum Mittagessen verabredet. Ausgerechnet heute! Es geht mir ziemlich mies. Ich habe schlecht geschlafen, mein Job nervt mich und überhaupt alle sind so was von oberflächlich…

Lara zündet wie eine Rakete! „Ich habe da was von einer Heilerin gelesen. Du wirst es nicht glauben. Aber die Frau ist der Hammer.“ Ihre Gesichtsfarbe beginnt sich plötzlich zu ändern. Sie kommt so in Fahrt, dass ich Angst habe, dass Sie einen Herzinfarkt bekommt.

Die Frau ist wirklich eine Wucht“.

Und was ist mit dem Karma? – Denke ich.

Carla, alle Antworten liegen in Dir selbst“.

Was für eine Erkenntnis!!

Sie sagt, dass ich alles selber in der Hand habe. Mein Denken, mein Fühlen, einfach alles in meinem Leben.

Wieviel hat Sie der wohl bezahlt. Innerlich muss ich kichern – lasse mir aber nichts anmerken.

Ich muss nur das nötige Selbstbewusstsein an den Tag legen, (und natürlich Ihre Kurse besuchen) und dann wird es mir besser gehen. Weißt Du, auch Fred (Ihr Mann) besucht jetzt Ihre Kurse. Es ist einfach überwältigend“.

Ja das kann ich mir gut vorstellen – und Renates Kreditkarte wird an den Rand des Wahnsinns getrieben.

Sie überredet mich, dass nächste Wochenende zu dieser Heilerin mitzugehen. Warum lass ich mich immer bequatschen!

Das Haus ist üppig ausgestatet – und irgendwie unheimlich. Aber ich lasse mir nichts anmerken. Wir kommen in ein grosses Zimmer – wahrscheinlich das Wohnzimmer oder etwas ähnliches. Es ist ziemlich dunkel und mit schweren, alten Möbeln eingerichtet. Sonnenlicht war schon ziemlich lange nicht mehr in diesem Raum.

Plötzlich zieht dieser Duft durch meine Nase. Diesen Duft kenne ich doch!

Raucherstäbchen!

Am liebsten wäre ich rückwärts wieder rausgelaufen.

Ich hoffe, dass Essen schmeckt besser.

Alles gesunde Lebensmittel, keine Angst“. Die Frau die sich mir als Madama Leila vorstellt, ist mindestens schon 150 Jahre alt! Richtig gruselig wird es mir. Diese durchdringenden, stechenden Augen. Meine Haare stehen zu Berge und ich habe das Gefühl ich sei in einem Horrorfilm.

Aber da muss ich nun jetzt durch.

Ich nicke und lächle gequält. Ein Hamburger mit Pommes wäre mir lieber gewesen, denn ich habe keine Ahnung was ich hier auf dem Teller habe. Die Hausherrin versucht mir zu erklären, was ich esse, aber ich verstehe immer noch nicht ganz. Macro, Micro, Bio, Vegetarisch?! Ich schlucke das Essen hinunter und spüle mit frischem Quellewasser nach.

Wir werden jetzt noch gemeinsam meditieren“, schlägt die Frau des Hauses vor.

Dieses komische Glockengläut dringt in meine Ohren, mein Magen knurrt und ich möchte am liebsten einfach losschreien.

Lara erzählt mir von all den Wundern die diese Heilerin bei Ihr und Ihrem Mann vollbracht hat und schwärmt in den höchsten Tönen. „Komm doch das nächste Mal auch ins Seminar. Wir würden uns sehr darüber freuen. Es würde Dir gut tun“!

Ich lächle gequält und will nur noch eines. Weg hier und zum nächsten McDonald. Lieber umgebe ich mich mit einer Horde wilder Teenager, als das ich noch eine Minute in diesem Haus bleibe.

Also nichts wie raus hier.

Bin ich denn undankbar? Schätze ich die Anteilnahme meiner Freunde nicht? Habe ich Probleme? Finde ich endlich meinen Weg?

ch habe nur noch mehr Fragen. Soll ich es tatsächlich mit dieser Heilerin versuchen?

Mein Kopf brummt und scheint zu zerplatzen. Schwindel, Herzrasen. Ich trinke den vierten Kaffee und rauche wieder viel zu viel.

Ich liege auf dem Sofa und zappe mich durch die Fernsehprogramme. Entweder aufgewärmte Spielfilme – oder Soaps die ich abartig langweilig finde. Aber da, eine Diskussions Sendung über Depressionen.

Könnten meine Stimmungsschwankungen, meine Hitzewallungen, mein Herzrasen und mein Schwindel Anzeichen für eine Depression sein. Ich „Google“ mich durchs Internet um bald einmal festzustellen, dass ich nicht an einer Depression leide.

Schade – also keine Depression. Ich bin wohl doch in den Wechseljahren.

Ich muss das Karma suchen – ich muss das Karma suchen damit ich das Universum verstehe. Oder etwas in dieser Richtung.

Was für ein Quatsch! Wie soll mir das Universum überhaupt helfen. Wer und was ist das Universum überhaupt?

Alle sagen zu mir ich müsse spiritueller werden. Aber wie werde ich denn spirituell. Hellsehen, Kartenlegen?!

Soviel ich von Lara weiss steht Spiritualität für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, (bedeutet: Überschreiten von Grenzen des Verhaltens, Erlebens und Bewusstseins, sowie das Sichbefinden jenseits dieser Grenzen) dem Jenseits oder der Unendlichkeit.

Aha.

Und wie soll ich das jetzt anstellen? Gibt es irgendeine Gebrauchsanweisung, oder eine Mustervorlage? Ich glaube kaum. Im Internet werde ich leider auch nicht sehr viel schlauer, sondern nur noch verwirrter. Bei so vielen neuen Begriffen müsste ich zuerst einmal meinen Duden zur Hand nehmen, um die Bedeutung aller Wörter herauszufinden.

Bis ich das alles hätte, wären meine Wechseljahre schon längstens vorbei.

Also lasse ich das lieber.

Apropos Internet. Ich google mich nochmals durchs Thema Wechseljahre. Hier sind meine Resultate:

Wechseljahre der Frau 175,000 Einträge

Klimakterium 210,000 Einträge

Menopause 10,500,000 Einträge

Millionen kämpfen jenseits der vierzig mit Wechseljahrsbeschwerden. Häufig ist es ein Progesteronmangel, der zu dem gefürchteten Ungleichgewicht im Hormonhaushalt führt. Östrogen ist im Vergleich zum Progesteron zu reichlich vorhanden, daher wird dieser Zustand auch Östrogendominanz genannt. Die meisten typischen Frauenbeschwerden lassen sich auf Östrogendominanz zurückführen.“

Aha.

Bin ich jetzt wirklich schlauer? Nicht wirklich. Ich müsste meinen Duden wieder zur Rate ziehen, was das alles bedeutet. Aber ich lasse es. Ich beschäftige mich viel lieber mit den Symptomen der Wechseljahre:

  • Verminderung des Selbstwertgefühls

  • Körperliche und geistige Erschöpfung

  • Gelenk- und Muskelbeschwerden

  • Sexualprobleme

  • Gewichtszunahme

  • Harnwegsbeschwerden

  • Trockene Schleimhäute

  • Trockene Hauseigenen

  • Haarausfall

  • Unregelmässiger Monatszyklus

  • Perioden mit starken Blutungen, längere Periode

  • Gefahr, dass sich Myome bilden

  • Gefahr für Herzinkfarkt steigt

  • Erschöpfungszustände, Müdigkeit, Unausgeglichenheit

  • Beklemmungen, Angstgefühle;
    Besorgt sein wegen Kleinigkeiten, Grübeleien; Gedankenkreisen, ohne zum Ergebnis zu kommen

  • Nachlassende Konzentrationsfähigkeit, Neigung zu Vergesslichkeit und Zerstreutheit

  • verminderte sexuelle Lust,
    Verlust der Libido

  • Körperformen verändern sich:

  • Schwindel, Reizbarkeit,
    Po wird flacher, Bauch runder, das Bindegewebe schlaffer.

  • Brust verändert ihre Form:
    sie wird größer und weicher, sie verliert an Elastizität und bekommt die typische Birnenform.

  • Mastopathie:
    gutartige Gewebeveränderungen, Zysten

  • Die Haut altert sichtbar,
    verliert an Elastizität, wird faltiger;
    Fältchen und Falten oberhalb der Oberlippe bilden sich (Kollagenfasern werden abgebaut)

  • Haarausfall, die Haare werden dünner

  • Schamhaarausfall

  • der „männliche Haarwuchs“ nimmt zu (im Gesicht, am Kinn, Brust)

  • die Fingernägel werden weicher und brüchiger

  • Inkontinenz / Blasenschwäche: ungewollter Harnabgang (insbesondere beim Niesen, Husten, Lachen, bei körperlicher Anstrengung wie Heben)

  • Kopfschmerzen, Mirgräneanfälligkeit verändert sich, kann zu- oder abnehmen

  • Nahrungsunverträglichkeit treten vermehrt auf (z.B. Milch, Zucker, Hefe), Allergien

  • Verdauungsstörungen, schmerzhafte Blähungen, Völlegefühl

  • Scheidenpilze

  • Gewichtszunahmen

  • Oesteoporose, Knochendichte nimmt ab (geschieht nach und nach)

  • Hitzewallungen

  • Schwindel

  • Bluthochdruck

  • Depressionen

  • Schwitzen

  • Zyklusschwankungen

  • Herzrasen

  • Schlafstörungen

  • Stimmungsschwankungen

  • Gelenk- und Muskelbeschwerden

Scheisse! Wenn all diese Symptome zutreffen, dann werde ich die Wechseljahre die nächsten 20 Jahre nicht mehr los!! Aber halt!

Die Wechseljahre bestehen ja nicht erst seit dem Millenium? Oder etwa doch? Meine Güte – was kommt den da noch alles auf mich zu.

Ich begebe mich wohl lieber freiwillig in eine Klinik. Das ist der absolute Wahnsinn! Und für jedes dieser Symptome gibt es wahrscheinlich auch noch ein Medikament das ich nehmen könnte. Damit habe ich vielleicht keine Wechseljahrsbeschwerden mehr – aber dafür ein anderes Problem.

Mist, was kann ich nur dagegen tun:

Aufgepasst hier ist eine Auflistung möglicher Gegenmassnahmen:

- Hormonersatztherapie durch Östrogenzugaben – Achtung Nebenwirkungen...

- Pflanzliche Alternativen

- Progesteron oder Phytohormone – z.B. Mönchspfeffer auch Keuschlamm, Agnus Castus

- Traubensilberkerze

- Hormonyoga

- Gesunde Lebensweise

- Rauchen aufgeben

- Kaffee trinken reduzieren

- Regelmässig bewegen

- gehärtete Fette meiden

- Gingko Biloba Präparate

- Homölpathische Medikamente wie z.B. Vertigo-Heel

- Entspannungstechniken

- Medikamente, die auf den Hormonspiegel einwirken und den androgenen Anteil senken (anti-androgene Wirkung)

- Hormonsubstitution

- Autogenes Training

- Akupressur-Übungen

- Johanniskraut-Präparate

- Östrogenhaltige Zäpfchen oder Cremes

- Hormontest machen - ob Testosteron fehlt (oder Östrogen / oder Progesteron)

- Die leichteren Phyto-Hormone (Wild Yam, Sojapräparate, Süßholz)

- Fitnesstraining

- Viamin D und H

- Ausgewogene Ernährung (z.B. Hirse)

- Nahrungsergänzungsmittel

- Bewegung

- Haltungstraining

- Beckenbodentraining

- Extrakte von Heilkürbis

- Moorbäder oder Moorpackungen

- Raffinierten Zucker meiden

- Calciumreiche Ernährung oder Calciumpräparate

- Sojaprodukte

- Ausdauersport stärkt die Durchblutung der Knochenhaut und erhöht die Knochendichte (insbesondere Schwimmerinnen weisen eine höhere Knochendichte auf)

- Akupunktur

- Kräutertherapie & Tuina

Mein Gehirn scheint zu zerplatzen! Mir ist richtig schlecht und ich glaube ich muss mich gleich übergeben. All diese Beschwerden, all diese Symptome und all diese Massnahmen!

Ich glaube ich muss zuerst ein Hochschulstudium gegen Wechseljahrsbeschwerden besuchen um all das zu verstehen. Aber halt – geht ja gar nicht. Bin schon zu alt für das. Die Konzentrationsfähigkeit hat nämlich auch schon ziemlich nachgelassen.

Dabei sollte Frau ja meinen, dass ich im besten Alter bin. Von wegen! Überall steht zu lesen, dass ich Alters hemmende Massnahmen ergreifen muss. (Altershemmung = Anti-Aging)

Wellness, Spa, Ernährung, Pilates, Entspannung, Body Form, Filler, Threadlift, Mesotherapie, Peelings.

Vitamin E hilft gegen Hautalterung, Vitamin C fördert die Kollagenproduktion und Vitamin A regt die Zellerneuerung an. Nikotin und Alkohol sind hingegen Feinde jugendlicher Haut.

Oh, wie die Welt und ich auf diese Begriffe gewartet haben!!

Falten glätten, Botox. Brauche ich das wirklich um glücklich zu sein?

Anscheinend schon. Eine ganze Industrie verdient ja gutes Geld damit. Mit den Falten und Cellulite Problemen unserer Gesellschaft.

Anti Aging Complex, Anti Aging Day, Anti Aging Night, Anti Aging Eye Cream, Anti Aging Stress, Anti Aging Emulsion, Anti Aging Foundation, und, und, und, und...

Der Wunsch nach ewiger Jugend ist sehr gross und wir wollen das Älterwerden so lange wie möglich hinausziehen. Doch ich glaube nicht, dass dies wirklich der Sinn unseres Daseins ist. Oder etwa doch?

Vergesst nicht, der Wert der Jugend ist viel wert – vor allem für diejenigen die Milliardenumsätze damit generieren.

Eine ganze Industrie ist damit beschäftigt den Schönheits- und Jugendwahn zu verallgegenwärtigen. Schlaffe Haut und Falten sind out. Cellulite geht ja schon gar nicht. Für viele ist Anti Aging ein Wundermittel der heutigen Zeit, der den Alterungsprozess scheinbar aufhalten lässt.

Dabei ist es ein Selbstbetrug. Der Alterungsprozess wird nicht aufgehalten. Wir machen uns etwas vor um so zu sein, wie die Gesellschaft uns sehen will. Anti Aging ist ein Schlagwort und ein Schlag ins Gesicht! Es gibt keine Forever Young Garantie. Vergesset das nicht.

Viele springen auf diesen Zug auf. Sie versprechen Dir Wunderdinge die niemals eintreffen. Vitamine und Mineralien mit Verjüngungseffekt. So ein Quatsch!

Wenn sogar Knäckebrot als Verjüngskur angeboten wird – Schönheit kommt von Innen – dann bin ich definitiv im falschen Film gelandet.

Um über diese Frage zu diskutieren inwieweit diese Fragen unsere Gesellschaft beeinflusst und aus welchem Grund, müsste ich wahrscheinlich ein zweites Buch schreiben. Aber vielleicht denkst Du mal in aller Stille über dieses Thema nach – aber bitte ernsthaft!

Ich kann hier nur über meine ganz persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen sprechen. Das will ich auch gerne tun – aber in Kürze, denn sonst wird dieses Buch vieeeel zu lang.

Seien wir doch ehrlich – früher war alles anders. Ob es besser war will und kann ich nicht beantworten. Aber anders eben. Wir hatten nicht die Möglichkeiten wie früher. Oder hattest Du als Kind Internet, oder ein Handy? Konntest Du ein Mail schreiben, chatten, twittern oder hattest Du Facebook Siehst Du? Alles war anders.

Heute haben die Menschen viel mehr die Möglicheit sich zu informieren, sich auszutauschen. Egal wo Du auf der Welt lebst, Du bist immer nur einen Klick von der anderen Seite der Welt entfernt. Ist doch toll!

So habe ich die Möglichkeit noch viel mehr über meine Wechseljahrschwingungen zu erfahren. Aber will ich das wirklich? Je mehr ich weiss, desto mehr Leiden könnten sich entwickeln.

Klar ist das toll, aber ich habe keine Lust mich von überall her manipulieren und einlullen zu lassen.

Das muss ich jetzt aber wirklich noch loswerden.

Ich werde überall und jeden Tag davon berieselt. Ob es mir nun gefällt oder nicht. Im Zug, im Auto, sogar in meinem Stammcafé muss ich mir Gespräche über Handy anhören, die so hohl sind, dass mir die Sinne schwinden.

Ein hartes Urteil denkst Du? Vielleicht, aber beobachte mal Deine Umgebung und Dein Umfeld ein wenig genauer. Dir wird sicher etwas auffallen. Genau, Du hast es entdeckt. Wer kein Handy hat ist in der heutigen Welt völlig aufgeschmissen, oder gehört zum alten Eisen.

Du musst doch die neusten Entwicklungen mitmachen, Du musst doch ein Handy haben, Du musst doch einen Computer haben, Du musst doch twittern, Du musst Dich doch mit Facebook auseinandersetzen. Das jeder auf diesem Planeten eine E-Mail hat ist selbstverständlich.

Aber muss ich denn wirklich? Kann es nicht auch so sein, dass ich mir meine ganz persönliche Meinung über diese Dinge bilde und mich dann dagegen entscheide?

Was habe ich denn zu verlieren? Nichts, sage ich Dir. Du verlierst überhaupt nichts. Du kannst nur gewinnen, denn Du bildest Dir Deine eigene Meinung dazu. Das heisst natürlich nicht, dass all die anderen sich keine eigene Meinung bilden.

Wir sind vielleicht auch zu verwöhnt. Wir leben hier fast wie auf einer Insel. Doch dieser Inselfrieden wird immer mehr zerstört. Doch wir selber sind doch dafür verantwortlich. Wir können nicht immer nur die anderen, allen voran die Politiker dafür verantwortlich machen.

Neutralität heisst nicht, dass ich das sage was die anderen gerne hören wollen. So werden wir unser Ziel ganz bestimmt nicht erreichen. Also, hören wir auf zu Jammern – fangen wir an unser Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Willst Du alles mitmachen, nur weil es chic ist, oder es sich einfach so gehört. Wenn es chic ist dünn zu sein, dann wollen alle plötzlich nur noch Nummer Null haben. Wenn es wieder mal chic wird Rubens ähnliche Figuren zu haben, werden alle diesem Ideal nacheifern.

Da war ich doch erst vor einigen Tagen in einem Kleiderladen. Ich wollte mir eine Bluse kaufen. Ihr werdet es nicht glauben. Ich dachte zuerst, ich wäre in der Kinderabteilung. So kleine Blusen kann doch keine Frau tragen, dachte ich. Als ich die Verkäuferin darauf ansprach zuckte diese nur die Schultern und sagte: „Ich weiss, aber es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder Sie nehmen ab, oder Sie gehen zu Ulla Popken!“

Was für eine Unverschämtheit, dachte ich. Ich bin sicher nicht die dünnste, aber zu Ulla Popken. Nein. Wütend verliess ich den Laden und musste mir ein Eis gönnen. Aber so ist die Welt nun mal. Sie kennt keine Gnade.

Doch gottseidank bin ich ziemlich selbstbewusst und komme mit solchen Niederlagen gut zurecht. Auch wenn es mich natürlich schon gewurmt hat – zugegeben.

Also, ich möchte Dir nur sagen, lass Dich nicht abbringen, auch wenn alle etwas anderes sagen. Wir müssen wieder mehr Selbstwusstsein und Selbstsicherheit gewinnen. Lassen wir uns nicht immer alles präsentieren, sondern bilden unser eigenes Urteil.

Auch in politischen Entscheidungen in unserem Land. Leute, lasst doch euer eigenes Gehirn schalten und walten. Lasst euch nicht irgendetwas erzählen. Überlegt zuerst gründlich, bevor Ihr Eure Meinung bildet. Sprecht mit den Leuten.

Twittern war gestern, heute ist reden angesagt.

Lass Dir nicht einreden, Du bist zu dünn, oder zu dick, überlass es Deinem eigenen Urteil. Und wenn Du Dich wohlfühlst – wo ist das Problem. Schau auf Dich selbst und nicht auf die anderen. Lass Dir ja nichts anderes einreden. Sei tolerent – vor allem zu Dir selbst.

So, jetzt habe ich Euch meine persönliche Sicht der Dinge dargestellt, und ich habe die Wechseljahre noch immer nicht gefunden.

Da fällt mir eine andere Geschichte ein. Ich war vor einiger Zeit beim Arzt – wegen den Wechseljahren. Er hat mir so ein Medikament gegeben und Ihr glaubt es nicht. Es hat sofort eingeschlagen und geholfen. Ich war befreit von meinen Beschwerden…

Es könnte alles so schön sein – aber ich habe schreckliche Nebenwirkungen bekommen. Schweissausbrüche, Panikattacken, schreckliche Atemnot. Ich dachte ich würde sterben. Und lacht nicht, ich hatte beim Einkaufen plötzlich eine Scheissangst bekommen – und zwar vor Tomaten.

Es ist kein Witz und ich stehe auch nicht unter Drogen. Die roten, schönen Tomaten machten mir plötzlich eine Scheissangst. Ich dachte jetzt schnappe ich über. Ich bekam Herzrasen und Schweisausbrüche, ich dachte ich müsse sofort wegrennen.

Dabei, es ist ja so schwachsinnig, wer hat schon Angst vor Tomaten? Ich schleppte mich zur Kasse, bezahlte und verstaute meine Einkäufe im Auto. Voll geschockt fuhr ich Nachhause.

Erzählen konnte ich das natürlich niemandem. Die hätten mich wahrscheinlich sofort weggesperrt. Was sollte das denn auf einmal.

Die nächste Überraschung kam in meinem Lieblingscaffé. Ich hatte urplötzlich eine Panikattacke. Die Leute wurden mir einfach zu viel. Ich fühlte mich beobachtet und eingeengt, dabei waren vielleicht fünf Leute im Café. Ich musste sofort raus und frische Luft schnappen.

Das nächste Intermezzo liess nicht lange auf sich warten. Im Buchladen verkroch ich mich in die Damen Toilette, ansonsten hätte ich laut herausgeschrien. Ich lief hinaus, zu meinem Auto und fuhr wie eine Verrückte nach Hause.

Ich sperrte mich in mein Schlafzimmer ein und dachte, jetzt ist es soweit: Ich werde verrückt. Brauchte ich etwa einen Psychiater?

Nein, ausgeschlossen, es muss ohne Psychiater gehen.

Ich nahm das verschriebene Medikament hervor und las bezüglich Nebenwirkungen. Panikattacken, Angstzustände, Schwindel können häufig auftreten!

Aha – wusste ich es doch.

Ich tat das einzig Richtige. Ich brachte die Medikamente zurück zu meinem Arzt und verabschiedete mich ohne Worte.

Ich atmete tief durch, und sah den Vögeln am Himmel zu. Ihr habt es gut, dachte ich. Die haben bestimmt keine Wechseljahrsbeschwerden.

Und dann die Sache mit den Männern! Ja, Männer haben ja auch so Ihre Wechseljahre, aber unsere Hormonumstellung begreifen die nie! Zickig sei ich, noch mehr als sonst, kommt dann die Antwort. Cholerisch und unsensibel! Ich und zickig, und unsensibel! Was für ein Hammerschlag.

Ich schäume vor Wut. Bald bin ich an der Decke. Dieser Mistkerl, denke ich. Wer hier wohl unsensibel ist, ist ja wohl er. Kein Gespür für weibliche Belange. Die ganze Zeit bequatscht er mich mit seinem Job. Jammert über seinen Chef und die Kollegen, dass er bei der Beförderung schon wieder übergangen wurde, dass die anderen ja eh nichts taugen. Alles faule Säcke, ausser dem Göttergatten natürlich.

Ich platze gleich. Hört der eigentlich nie zu? Hat er überhaupt je zugehört? Männer wollen bewundert, gehegt und gepflegt werden. Aber wer hört mir denn zu. Er will Verständnis für seinen Job, als ob ich keinen hätte. Und wenn er wüsste, wie das bei mir so läuft. Doch schon nach drei Sekunden des Erzählens fängt er an zu gähnen und findet es ganz unmöglich, dass ich schon wieder mit den alten Geschichten anfange. „Dann tu doch endlich etwas dagegen, anstatt immer nur zu jammern“!

Das schlägt dem Fass den Boden aus. Ich mache mich mit grossem Getösse aus dem Staub. Soll er doch sehen, wer Ihm heute Abend das Essen macht. Ich auf jeden Fall nicht. Männer sind anders – und Frauen auch.

Warum verstehen uns die Männer denn einfach nicht. Vielleicht sind Sie zu einfach gestrickt. Vielleicht haben wir zu viele Erwartungen an das andere Geschlecht und merken gar nicht, dass unsere Bedürfnisse ganz einfach unterschiedlich sind.

Ich bin ratlos und frustriert. Warum versteht mich denn keiner?!

Maggie, eine meiner Freundinnen hat mich heute zum Essen eingeladen. Ich freue mich schon sehr darauf. Vielleicht endlich jemand der mich versteht und mir einen Rat geben kann. Wie kann Frau sich nur so täuschen...

Ich berichte Maggie also von meinen Problemen und Schwierigkeiten. Niemand scheint mich zu verstehen – niemand liebt mich! Ich bin den Tränen nahe.

Verständnisvoll schaut mich Maggie an und legt liebevoll den Arm um mich. Wir trinken beide noch einen Schluck Rotwein – obwohl mein Blutdruck danach wahrscheinlich wieder ins Unermesslich steigen wird. Aber egal!

Es ist halt heute nicht so leicht. Schau mich mal an. Ich lebe ohne Mann, ohne feste Verpflichtung, habe einen guten Job. Was will ich denn noch mehr. Ich gehe drei Mal im Jahr in die Ferien und alles ist gut“.

Häh –

was war das denn! Was soll ich jetzt mit dieser Erkenntnis wohl anfangen. Aber es wird noch besser.

Du siehst die eigentlichen Probleme der Welt nicht. Ich mache Pilates, gehe ins Yoga und zweimal die Woche besuche ich meine Hellseherin. Sie legt mir Tarot Karten und gibt mir homöopathische Unterstützung. Daneben beschäftige ich mich mit meinen Engeln und mir geht es einfach blendend“! Mit einem ausserirdischen Lächeln sah mich Maggie an. Was sollte ich nur davon halten? War ich denn wirklich so weltfremd?

Sei nicht so egoistisch“ - fuhr Maggie fort.

Egoistisch! Aber ich bin doch nicht egoistisch. Ich suche doch nur einen Rat bei einer Freundin.

Ich liess mich noch überreden ein Engelbuch mit nach Hause zu nehmen. Ich stellte es sofort in mein Regal mit der Gewissheit, dass ich es sowieso nicht lesen würde.

Traumlos schlafe ich heute Nacht ein. Morgens krieche ich gerädert aus dem Bett und bin ziemlich froh, dass ich mich heute Nachmittag mit Ralf zum Walken verabredet habe. Ralf ist ein ziemlich dufter Typ. Gross, breitschultrig und sehr attraktiv. Platonisch gesehen natürlich. Ich freue mich darauf, denn Ralf ist ein bodenständiger Typ.

Ralf ist ein sportlicher Typ. Walken mit ihm war jedesmal auch ein Plädoyer an ein gesundes Leben. Vielleicht hatte er ja einen guten Rat für mich auf Lager. Wie Frau sich nur so täuschen kann… Mehr davon, jetzt gleich!

Ach Clärchen, (nur Ralf darf mich so nennen) wie siehst Du denn aus. Schon lange keinen Sport mehr gemacht“? Nette Begrüssung, dachte ich. Ein gequältes Lächeln konnte ich mir noch abringen, und schon gings los.

Nimms nicht so schwer Clärchen“. Er lachte mich mit seinem schönsten Pepsodent Lächeln an. Walken mit Ralf hatte ich mir irgendwie einfacher vorgestellt. Er legte ein Tempo an den Tag, dass ich schon bald ausser Atem war. Ich atmete ziemlich tief und mein Herz raste. Doch Ralf schien das nicht zu bemerken. Fröhlich erzählte er mir von seinem Beruf – er ist Managementtrainer für die oberen Etagen. Er muss seinen Beruf wirklich sehr lieben, dachte ich. So wie er von seinen Kursen schwärmte. „Neu biete ich jetzt auch Mentaltraining, Autogenes Training, Sport Coaching und Ernährung an“.

Ziemlich beeindruckend und genauso lukrativ dachte ich. „Und wie läuft es bei Dir“? Wollte er plötzlich wissen. „Ach, weißt Du, ich habe im Moment eine kleine Kr“…

Nichts da mit meiner Krise. Ralf hat schon Antworten parat, bevor ich überhaupt etwas erzählen kann.

Am wirkungsvollsten ist laut Greenpeace der Entscheid weniger Fleisch zu verzehren“.

Häh!

Habe ich irgendetwas verpasst, oder erzählt er mir jetzt etwas von Greenpeace. Was hat wohl meine Krise mit Greenpeace zu tun. Ich werde es erfahren.

Das ist doch die heutige Krise“, fuhr Ralf fort. Die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch ist laut dem Magazin „New Scientist“ so klimaschädlich wie eine Autofahrt von 250 Kilometern.

Was hat wohl Rindfleisch mit meiner Krise zu tun.

Klimawandel Clärchen – verstehst Du“! Ich nicke Ihm zu und hoffe auf Erlösung.

Wenn der von meinem Klimawandel wüsste.

Ich lächle und Ralf fährt unbeirrt fort.

Es berücksichtigt unter anderem die Futterproduktion und das klimaschädliche Methangas, das Rinder bei der Verdauung ausstossen“.

Ausgestossenes Methangas – Rinder.

Heute verzichte ich wohl auf mein Rinderfilet mit Pfeffersauce.

Aber es geht noch weiter – keine Angst.

Ralf hat gelesen, dass auch die Fetten Menschen schuld an der Klima-Katastrophe sind. Als er das so sagte, spürte ich einen etwas verächtlichen Blick von Ihm.

Weil die Fetten so viel essen, steigt die Nahrungsproduktion und damit der Ausstoss an Kohlendioxid.

Verstehst Du Clärchen was das bedeutet“?

Ich starrte Ihn an und wusste nicht, was er von mir wollte. Fette Menschen fahren Auto – statt sich aktiv zu bewegen. Somit wird die Erderwärmung zusätzlich angeheizt.“

Häh…

Jeder Dicke ist für den zusätzlichen Ausstoss einer weiteren Tonne klimaschädlicher Gase verantwortlich verglichen mit einem dünnen Menschen. Deshalb ist Sport ja so gesund“?

“Du solltest Dich unbedingt gesünder ernähren und mehr Sport machen, Clärchen. Es ist nur zu Deinem Besten“. Mit erhobenem Zeigefinger macht er mich nochmals auf die Erderwärmung aufmerksam. „Denk an die Eisbären Clärchen – denk an die Eisbären“.

Du willst doch nicht schuld sein, oder“? Vorwurfsvoll sah er mich an.

Der meint das tatsächlich ernst! Ich nicke und bin ehrlich gesagt froh, dass wir ohne weitere Konversation weiter walken.

Schmelzende Polkappen, Versteppung und aussterbende Tiere – weil Dicke sich die Bäuche voll schlagen?

Was für ein Blödsinn, denke ich.

Ralf hat es gerade mal zwei Minuten ohne Quatschen ausgehalten. Dann schlägt Mister Treibhaus-Methan wieder zu.

Ich kann fast nicht glauben, dass Ralf das glaubt, was er mir dann erzählt. (Vielleicht isst er zuviel Grünzeugs)

Wenn es nach dem Willen der WWF geht, sollen landwirtschaftliche Abgase in Deutschland künftig besteuert werden. Laut einer Studie produziert z.B. eine Kuh etwa genauso viele Abgase wie ein Kleinwagen, der im Jahr 18.00 Kilometer zurücklegt“.

Damit sind Kühe mitverantwortlich an den Treibhausgas-Emissionen.“

Häh..

Was soll ich denn von dem halten? Innerlich zucke ich mit den Schultern und habe bereits eine Lösung parat.

Also liebe Politiker – ich fordere ab sofort eine Abgassteuer für Kühe, Schafe, Schweine, Ziegen, Pferde, Esel, Kamele, Elef... und dicke Menschen!! Und alle anderen Schuldigen, die ich hier noch vergessen habe.

Ralf war mir ja eine schöne Hilfe.

Schlimmer kann es ja nicht werden –

aber eigentlich suchte ich eine Schulter, wo ich mich ausweinen kann. Jemand der mir zuhört, jemand der Verständnis für meine Wechseljahrbeschwerden hat –

Und eigentlich wollte ICH ja eine Lösung für MEINE Probleme. Stattdessen fühlte ich mich schuldig. Schuldig wegen der Erderwärmung, Schuldig, dass ich nicht so dünn bin, schuldig, dass ich keinen Yoga oder Pilates Kurs besuche, schuldig, dass ich keinen persönlichen Heilpraktiker habe, schuldig, dass ich nicht meditiere, schuldig, dass ich keine Engelbücher mag, schuldig, schuldig, schuldig… in allen Punkten.

Was ist bloss los mit mir?

Da kam mir Maria gerade recht. Maria ist eine ganz alte Freundin von mir. Wir haben schon im Sandkasten miteinander gespielt. Wir hatten uns in den letztenJahren zwar ein wenig aus den Augen verloren, aber der Kontakt ist nie ganz abgerissen.

Maria war meine Rettung. Sie freute sich sehr über meinen Anruf und mir verabredeten uns gleich für den nächsten Tag. „Gehen wir doch in das kleine Café an der Ecke. Bei Paolo“, schlug Sie vor.

Nur zu gerne. Ich freute mich jetzt schon auf den guten Italienischen Kaffee und das reichhaltige Buffett.

Clara, wie ich mich freue Dich zu sehen. Es ist ja eine Ewigkeit her“.

Diese erfrischende Art tut mir wirklich gut. Nach all den Reinfällen in den letzten Tagen, war ich richtig froh einen „normalen“ Menschen zu treffen.

Maria sah wirklich toll aus. Schlank, schöne Haare, (fast kein graues Haar – wie ungerecht) ein Lächeln auf dem Gesicht. Sie hatte sich gar nicht verändert. Immer noch sprudelte Sie wie ein Wasserfall und die Männer drehten sich nach Ihr um. Ein wenig eifersüchtig betrachtete ich Sie von oben nach unten. Ich musste schleunigst etwas gegen mein Übergwicht tun, und zum Friseur wollte ich auch schon längst. Vielleicht sollte ich mir die Haare färben lassen.

Makellose Haut, dachte ich.

Wie geht es Dir denn Clara. Du klangst so betrübt am Telefon“. „Ach weißt Du Maria, ehrlich gesagt geht es mir im Moment gar nicht so gut. Ich komme einfach nicht zurecht mit den Wechsel..“

Da habe ich einen Tipp für Dich Clara“. Sie kramte in Ihrer Tasche und nahm ein paar Bilder hervor.

Hier, schau mal“. Sie hielt mir Fotos unter die Nase, auf dem ein dutzend Frauen zu sehen waren. Alle waren in gelben Gewänder gehüllt und, am Strand und hatten Staffeleien vor sich.

Das befreit ungeheim. Du kannst es mir glauben. Dieser Malkurs in der Toskana – es hat mein ganzes Leben verändert. Erst jetzt weiss ich , was Leben wirklich ist. Ich lasse mich nicht mehr einsperren. Ich tue was mir gefällt. Ich lasse mir keine Befehle mehr geben“.

Ihr Ton wurde nun rauer und bestimmter. „Mein ganzes Leben lang habe ich nur getan, was die anderen wollten. Jetzt bin ich endlich befreit“. Sie atmete tief durch und sah mich mit durchdringenden Augen an.

Dir fehlt etwas Clara“.

Tja, das wusste ich inzwischen auch schon, aber wenn ich nur wüsste was!?!?

Hier schau mal, dass sind Fotos vom letzten Jahr. Da war ich auch in der Toskana – im Töpferkurs“. Und wer ist wohl dieser nette, junge Mann neben Ihr. Sie schaut Ihn ja ganz verliebt an.

Das ist übrigens Giorgio“. Giorgio? Wer zur Hölle war Giorgo? Ich dachte Ihr Mann heisst Karl Friedrich, der Manager.

Karl Friedrich hat eh nie verstanden um was es geht im Leben“. Aber Giorgio wusste es.

Aber natürlich –

Maria hat Karl Friedrich abgezogen wie eine Weihnachtsgans. Er konnte es sich ja leisten. Hat immer gut verdient der Mann. Und Maria lebte nach wie vor von seinem Geld – (und Giorgio)

Der Typ ist mindestens 20 Jahre jünger. Gut sah er aus, aber wahrscheinlich war das auch alles.

Ich gratuliere Dir Maria – dann hast Du es ja geschafft.“ Warum habe ich das nur gesagt? Ein Reflex vielleicht – keine Ahnung. Upps

Das kannst Du auch liebe Clara. Du musst nur den richtigen Weg gehen“. Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht und genoss Ihren Triumph – und Ihren jungen Lover.

Nächstes Jahr machen wir Urlaub in Südfrankreich. Dort gibt es genügend Motive die ich malen kann.“ Das glaube ich auch – dachte ich.

Tut mir leid Clara, aber ich muss gehen – Du weißt Männer warten nicht gerne“.

Schon gut Maria – versteh ich“. Küsschen rechts, Küsschen links und schon war meine Jugendfreundin verschwunden.

Die ganze Welt schien sich gegen mich verschworen zu haben. Niemand, aber wirklich niemand schien mich ernst zu nehmen, geschweige denn zu verstehen.

Ich war verzweifelt. Zu Hause nahm ich eine Flasche Rotwein und betrank mich. Blutdruck hin oder her. Die Pralinenschachtel war im Nu leer und ich merkte wie mir übel wurde. Nicht mal mehr trinken kann ich. Was kann ich denn überhaupt noch. Tränen schossen mir in die Augen und am liebsten hätte ich mich verkrochen und wäre nicht mehr aufgetaucht.

Hans Werner mein Mischlingsrüde schaute mich mit mitleidigen Augen an. „Du hast es gut, Du wirst gestreichelt, gefüttert und geliebt. Du hast doch keine Ahnung von meinen Problemen“. Aber vielleicht war Hans Werner der einzige der mich wirklich verstand.

Sind die Wechseljahre wirklich so grausam, oder habe ich vielleicht überreagiert? Ich bin dünnhäutig geworden, sagen meine Freunde. Unausstehlich und zornig sei ich. „Mit Dir kann man nicht mehr reden“! Zack, das hatte gesessen. Lara hatte einfach den Telefonhörer aufgelegt!

Doch, auch ich habe es nicht einfach mit mir. Ich bin wie durch den Wind, kann mich nicht mehr konzentrieren, bin antriebslos und überhaupt. Am liebsten würde ich einfach alles hinschmeissen. Zu Tode betrübt liege ich auf dem Sofa und stopfe schon wieder Pralinen in mich hinein.

Wie ungesund würden meine „esoterischen“ Freunde jetzt sagen. „Du musst nach draussen gehen, Dich bewegen“, sagen die anderen. Aber ich habe doch schon alles ausprobiert!! Nichts hat geholfen.

Ich bin am Ende!! Am Ende mit meinen Nerven. Am besten ich verkrieche mich und komme erst dann wieder hervor, wenn die Wechseljahre vorüber sind.

Aber halt, Stopp!! Die Wechseljahre können ja dauern, und dauern, und dauern…

Heute gönne ich mir mal einen Grüntee – soll ja sehr gesund sein. Ich nippe nur daran und schaue aus dem Fenster. Gruselig. Kalt, neblig – einfach eklig dieses Wetter. Da kann ja keine Freude aufkommen.

Ich schaue den Vögeln zu und fühle mich immer noch wie von einem dunklen Schleier umgeben. Tief durchatmen und ignorieren – Wenn das nur so einfach wäre…

Ich fühle mich heute nicht gut. Ist mein Blutdruck zu hoch? – nein Herzrasen habe ich keines – aber schwindlig ist mir. Ich schreie innerlich auf – Wann hört das endlich auf!!

Wenn ich gewusst hätte, dass meine morgendliche Zeitungslektüre mich noch mehr in Wallung bringen würde, hätte ich es gelassen.

Was lese ich da auf Seite Eins einer grossen Schweizer Tageszeitung:

Der Prämienfeldzug gegen Ungesunde geht weiter.“

Was lese ich da jetzt genau?

Aha – Raucher, Diabetiker, Alkis, Drogensüchtige sollen mehr Krankenkasse Prämie bezahlen?

Aha -

Die Dicken von denen einige ja auch Diabetiker sind – abgesehen von all den anderen Diabetikern – sind also nicht nur am Klimawandel mitschuldig, sondern sollen jetzt auch noch mehr berappen!!

Und die Raucher sind sowieso so ziemlich an allem schuld. Und wehe wenn der Raucher auch noch einen Geländewagen fährt. Na, na, na – dann sieht der aber so was von alt aus…

Ich muss sofort meinen Body-Mass-Index überprüfen...

Also - Gesunde werden belohnt und Kranke, die sich strikt an ihre Therapie halten.

Wer zu dick ist und einen BMI von über 25 hat muss blechen – Wer sagt denn, dass die Dicken wirklich ungesünder leben als die Dürren?

Wer Raucht muss blechen. Wie soll mein Arzt denn wirklich beweisen, dass ich kein Raucher (mehr) bin – Alles was Spass macht – Spielverderber.

Wer trockener Alkoholiker bleibt der profitiert. Wie dieser Test dann wohl aussieht?

Wenn Psychisch Kranke die verschriebenen Medikamente einnehmen, dann erhalten sie einen Bonus. Hier soll ein Bluttest aufschluss geben.

Und nun zu den Diabetikern. Bei ihnen gibt der Blutzuckerspiegel aufschluss. Wer sich an die Vorgaben des Arztes hält, wird belohnt. Also fertig mit Schokolade, Plätzchen, Pudding und Co. Auch nicht mehr zwischendurch, sonst könnte man den Bonus ja verlieren...

Ich habe Schweissperlen auf meiner Stirn. Mein Herz rast und mein Kopf brummt.

Wer backt denn Kuchen und macht Schokolade? Wer verkauft denn Alkohol und macht Werbung dafür? Wer ist denn dafür verantwortlich, dass wir psychisch krank werden. Und weil wir krank sind, werden uns Medikamente verschrieben. Vielleicht zu viele – zu viele die uns nicht guttun.

Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

Ich sehe es schon vor mir: Raucherin hat psychische Probleme – wird zur Alkoholikerin – die verschriebenen Medikamente rufen eine Medikamentensucht hervor – die Entziehungskur löst Adipositas permagna (Fettsucht, Fettleibigkeit) aus.

Oh mein Gott – das kann doch alles gar nicht wahr sein.

Was Wechseljahre so alles auslösen können...

Ich drehe mich im Kreis – die Erde bebt und mir wird ganz schwindlig.

Ich versuche ganz ruhig zu bleiben. Tief durchatmen, Augen zu und durch.

Ich blättere die Zeitung endlich um. Es wird mal wieder Zeit, dass mich positive Nachrichten überraschen. Doch ich werde leider enttäuscht! Am besten ich lese überhaupt keine Zeitungen mehr – die Glotze sollte ich auch verbannen – und mich auf eine einsame Insel zurückziehen.

Ich schaue aus dem Fenster. Die Welt ist so beschleunigt – oder bilde ich mir das nur ein? Nein, wir leben in einer enorm gestressten Welt. Alles muss schnell schnell gehen. Niemand hat Zeit – nicht mal für sich selbst.

Wie wäre es wohl, in einer entschleunigten Welt zu leben?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich mir selbst entgleite. War ich früher doch sorglos, überirdisch belastbar, und heute? Die Grenzen haben sich verschoben. Ich mache mir viel mehr Gedanken als früher. Gedanken über die Welt, über mich selbst und überhaupt.

Und die Belastbarkeit im Beruf? Die ist für meinen Begriff unterirdisch. Da helfen nicht mal mehr die Zettelchen die ich mir schreibe. Denn ich wende viel zu viel Zeit damit auf die Zettelchen wieder zu finden.

Dabei macht mir mein Beruf ja Spass? Aber halt… Macht er mir wirklich noch Spass, oder möchte ich einfach, dass er mir noch immer Spass macht?

Sollte ich einfach eine Auszeit nehmen?

Fragen über Fragen – und immer noch keine Antworten.

Aber vielleicht muss ich gar keine Antworten erhalten. Warum lasse ich mich überhaupt von diesen Gefühlen übermannen? Warum kann ich diese Gefühle nicht einfach zulassen und es als natürlichen Vorgang betrachten?

Warum lasse ich mich von allen und allen manipulieren und mir einreden das Wechseljahre so etwas wie eine Krankheit ist.

Jeder und Jede hatte ja so gute Ratschläge und Tipps für mich – aber nichts hat geholfen.

Muss ich meinen eigenen Weg finden?

Vielleicht muss ich diesen Übergang in die zweite Lebenshälfte ja einfach nur zulassen und mich darüber freuen.

Ja, ich glaube das ist es. Ich muss mich darüber freuen und es annehmen wie einen guten Freund. Einen guten Freund, der mich auf diesem Weg begleitet.

Ich atme tief durch und sehe wie die Sonne langsam Ihre Kraft entfaltet.

Ich glaube es gibt für die Wechseljahre keine eigentlichen Symptome, Regeln, Ratschläge oder Gegenmassnahmen. Jede Frau erlebt diese Zeit anders. Die einen halt ein wenig intensiver als die anderen.

Wir lassen uns verrückt machen und rennen von einer Gegenmassnahme in die andere. Wir nehmen Hormontabletten, Kräuter, Pillen, machen Yoga oder Pilates. Aber schlussendlich sind die Wechseljahre ein ganz natürliches Phänomen, dass wir lächelnd annehmen sollten.

Die Wechseljahre sind für mich heute so etwas wie die zweite Pubertät. Es verändert sich etwas in meinem Körper und in meiner Seele, aber ich bin immer noch dieselbe.

Mit dem einzigen Unterschied, dass ich heute entschleunigter in einer beschleunigten Welt leben darf.

Und das ist nicht tragisch, sondern sogar sehr angenehm.

Ich habe meinen Beruf aufgegeben und lebe heute so entspannt wie schon lange nicht mehr in den letzten Jahren.

Das heisst jetzt aber nicht, dass ich gar nichts mehr mache. Sondern ich mache heute viel mehr Dinge die mir Spass machen.

Früher war mir Karriere, Anerkennung und Geld wichtig.

Heute ist mir wichtig, dass ich jeden Moment des Lebens geniessen kann. Mit klarem Kopf und Geist.

Die Wechseljahre halfen mir dabei, zu erkennen was wichtig ist.

Ich wünsche Dir liebe Leserin das selbe Glück. Macht euch nicht Verrückt wegen den Wechseljahren.

Hört auf euren Bauch und vergesst all die tollen Ratschläge. Entscheidet euch für euren eigenen Weg. Ihr müsst nur ein wenig Zeit damit verbringen auf euch selbst zu hören.

Die Antworten werdet Ihr automatisch erhalten.

In diesem Sinne – viel Spass bei den Wechseljahren.


 

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Wechseljahre, Jammern, Depression, Esoterik, Cholesterin, Bluthochdruck

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Steak - Gedicht
von: Knoblauchbacke |  30.08.2010 19:06:56
Ein selbstgeschriebenes Sonett aus dem Englischunterricht. Es handelt von meiner großen Leidenschaft: dem Essen.


I love to eat steaks all day long
they are so juicy and taste so good.
The best is if it's a bit bloody; but don't get me wrong
I am not from a cannibal-hood.
I also love to eat chocolate, as much as I can
the most if it's creamy and melt on my tongue,
I would prefer to eat chocolate than having a man
because sweets make me happy and don't smell like dung.
The only problem is my weight;
if I don't look over it, I might get in trouble
and my dream of eating will burst like a bubble,
I don't want that to be my fate.
So I have to be careful and don't eat too much,
even if my passion is eating all such.

 

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Sonett

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Steak - Gedicht
von: Knoblauchbacke |  30.08.2010 19:01:50
Ein selbstgeschriebenes Sonett aus dem Englischunterricht. Es handelt von meiner großen Leidenschaft: dem Essen.


I love to eat steaks all day long
they are so juicy and taste so good.
The best is if it's a bit bloody; but don't get me wrong
I am not from a cannibal-hood.
I also love to eat chocolate, as much as I can
the most if it's creamy and melt on my tongue,
I would prefer to eat chocolate than having a man
because sweets make me happy and don't smell like dung.
The only problem is my weight;
if I don't look over it, I might get in trouble
and my dream of eating will burst like a bubble,
I don't want that to be my fate.
So I have to be careful and don't eat too much,
even if my passion is eating all such.

 

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Sonett

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