Schumann, Meyer, Ströbele - Grundzüge der mikroökonomischen Theorie
An alle Studenten der Wirtschaftswissenschaften, die auf der Suche nach einem sehr umfassenden Lehrbuch zum Thema Mikroökonomik sind, welches sowohl für Studienanfänger als auch für Fortgeschrittene sehr nützlich sein kann und zudem auch wirtschaftspolitische Problemstellungen ausführlich behandelt, die jeden Einzelnen von uns im täglichen Leben betreffen.
Die Kaufentscheidung:
Zur Vorlesungsreihe „Mikroökonomie“ wurde uns Studenten an der Universität Münster dieses Lehrbuch empfohlen und der Lehrplan auch speziell auf dieses Buch zugeschnitten. Übrigens habe ich bei Herrn Professor Ströbele, einem der beiden Koautoren dieses Lehrbuches, die entsprechenden Vorlesungen angehört, wobei mir diese didaktisch nur sehr mäßig gefallen haben, da dieser aus meiner Sicht deutlich zu schnell sprach und dabei quasi 90 Minuten lang am Stück pro Vorlesung die Folien handschriftlich ausgefüllt hat, ohne dabei in Ruhe das Wesentliche herausgestellt zu haben.
Gekauft habe ich das Lehrbuch, genau so wie alle anderen Wirtschaftsfachbücher, in der entsprechenden Fach-Buchhandlung in Münster, die den Namen Krüper trägt und direkt in der Nähe des Hörsaals H1 am Hinderburgplatz liegt, weil vor allem die Beratung gut ist und auch Probelesungen zum Vergleich mit anderen Fachbüchern erlaubt sind. Der Preis des Buches lag vor ca. 2 Jahren bei rund 20.95 Euro.
Die Inhaltsangabe:
Im Lehrbuch „Grundzüge der mikroökonomischen Theorie“ von den Autoren Jochen Schumann (Hauptautor), Ulrich Meyer und Wolfgang Ströbele (Koautoren), das erstmals 1971 im Springer-Verlag erschienen ist, geht es um die Vermittlung der wesentlichen mikroökonomischen Inhalte, die insbesondere die Funktionsweisen von Marktwirtschaften und die Verhaltensweisen einzelner Wirtschaftssubjekte beinhalten.
Darüber hinaus werden auch zentrale wirtschaftspolitische Inhalte behandelt, die auf mikroökonomischen Modellen und Theorien beruhen. Gerade politische Entscheidungen und ihre Auswirkungen für Private Haushalte und Unternehmungen werden umfassend untersucht, die ihre Wirtschaftspläne und ihre Verhaltensweisen z.B. beim Konsumieren, beim Sparen oder beim Investieren massiv beeinflussen können.
Der wesentliche Aufbau des Buches:
Innerhalb des Vorwortes erfährt der Leser als Anfänger oder als fortgeschrittener Student innerhalb des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums, welche Kapitel dazu verwendet werden sollten:
Für Einsteiger wird besonders empfohlen das Einführungskapitel gründlich durchzuarbeiten, um die Theorie der Marktwirtschaft im Überblick erfassen zu können, bevor es zu den eigentlichen Hauptthemen des Buches geht. Allerdings kann eine Wiederholung der Grundlagen auch für fortgeschrittene Studenten sinnvoll sein, da der Mensch von Natur aus doch zur Vergesslichkeit neigt und eine Auffrischung der Inhalte auch für weiterführende Veranstaltungen sehr sinnvoll sein kann, um gleich wieder im Thema zu sein.
Je nach Lehrplan und der geforderten Inhalte kann es dann zu den eigentlichen Schwerpunktthemen des Buches gehen:
Während in der Haushaltstheorie innerhalb des 1. Kapitels ausschließlich aus der Sicht eines betrachteten Haushaltes argumentiert wird, der mit gegebenem Budget seinen individuellen Nutzen zu maximieren zu versucht, geht es in der Theorie der Unternehmung innerhalb des 2. Kapitels um die Auswahl der optimalen Produktionsverfahren und die Minimierung der Faktoreinsatzmengen, um das Ziel der Gewinnmaximierung erreichen zu können.
Dabei wird stets die Annahme getroffen, dass es sich um ein freies marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem handelt, in dem die Wirtschaftssubjekte einer Volkswirtschaft in ihrer Rolle als wirtschaftlich rational handelnde Individuen ihr Ziel der Nutzenmaximierung bzw. der Gewinnmaximierung frei nachgehen können, es keine staatlichen Produktionsbeschränkungen gibt, wie dies z.B. in einer Zentralverwaltungswirtschaft der Fall ist und auch in der ehemaligen DDR auch der Fall gewesen ist und dort sowohl der Wohlstand als auch die Freiheit des Volkes erheblich eingeschränkt wurde.
Auch die Abgrenzungen zu anderen Wirtschaftssystemen wozu z.B. auch die Verbandwirtschaft gehört, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch im deutschen Kaiserreich praktiziert wurde und bis zum Ende des 2. Weltkrieges andauerte, ist der Wohlstand der deutschen Volkswirtschaft durch die trägen Kartelle und Monopole, die Innovationen und Preiswettbewerbe massiv einzudämmen wussten, auch auf eher geringem Niveau gewesen und die Freiheit der Produktionstätigkeit weitestgehend eingeschränkt worden, was sich natürlich auch in der geringen Vielfalt und Knappheit der Waren und Dienstleistungen äußerte.
Nach der intensiven Behandlung der Haushaltstheorie und der Theorie der Unternehmung, werden im 3. Kapitel die beide Marktseiten auf dem Gütermarkt zusammengeführt und zahlreiche Untersuchungen anhand komparativ-statischer Analysen durchgeführt. Dabei wird zunächst im Wesentlichen unterstellt, dass auf dem Gütermarkt vollständige Konkurrenz besteht, also eine Vielzahl von Unternehmen auf dem Gütermarkt vorhanden sind und diese als bloße Anpasser der Gütermengen (Mengenanpasser) fungieren und eben keine Monopolmacht haben und sich der Güterpreis aus dem Verhältnis aus Angebot und Nachfrage frei bilden kann. Der Preis ist dabei annahmegemäß fest vom Markt vorgegeben, da eben sehr viele kleine Anbieter auf einem betrachteten Gütermarkt vorhanden sind und keine besonders große Marktmacht haben, wie dies im Gegensatz dazu z.B. auf vermachteten Monopolmärkten stets der Fall ist und eine für die Volkswirtschaft schädliche Mengenverknappung in Folge der monopolistischen Preisfestsetzung erfolgen würde.
Anschließend werden eben weitere spezielle Marktformen unter der Annahme der unvollständigen Konkurrenz behandelt, die auch in unserem Wirtschaftssystem als natürliche Monopole bzw. Oligopole auftreten (Preisfixierer), wenn man z.B. an unsere Energiewirtschaft denkt, die aus vier großen Kartellen besteht und die Energiepreise weitestgehend in wohlwollender Gegenseitigkeit auf hohem Niveau halten. Ein freier Wettbewerb fehlt dort völlig und der Zugang kleiner Energieproduzenten ist doch dort enorm eingeschränkt, weshalb eine zumindest oligopolistische Preisgestaltung der vier Kartelle eine doch bittere Realität für uns Verbraucher darstellt, denn bei einer großen Zahl verschiedener Energieanbieter würde der Preis aus Wettbewerbsgründen auf niedrigerem Niveau sein.
Dies ist vor allem ein sehr interessantes und wirtschaftspolitisches brisantes Thema, das die Frage nach der Politik des Staates aufgreift, ob eben ein staatlich kontrolliertes Gewaltmonopol oder eben der jetzige Zustand, der aus einem oligopolistischen Energiemarkt besteht, für den Wohlstand einer Volkswirtschaft und insbesondere für die Privaten Haushalte besser wäre.
Neben der Handhabung des Stromnetzes ist auch die Kontrolle des Schienennetzes auch in Deutschland ein wichtiges Thema, das den „freien“ Wettbewerb unmittelbar beeinflusst und die Preisgestaltung für uns Verbraucher betrifft. Denn je mehr Konkurrenz auf einem Markt besteht, desto weniger Möglichkeiten haben die einzelnen Unternehmen ihre Marktmacht durch weitestgehend willkürliche Preisgestaltungen zu missbrauchen.
Auch die Aufgabe des Staates, den weitestgehend freien Wettbewerb auf den einzelnen Gütermärkten herzustellen, ist ein zentrales wirtschaftspolitisches Thema, das vor allem uns Verbraucher und letztlich den gesamten Wohlstand einer Volkswirtschaft betrifft. Diese wirtschaftspolitischen Problemstellungen werden in diesem Buch unter anderem in den folgenden Kapiteln behandelt. Auch Modellerweiterungen, die eine nähere Anpassung an die wirtschaftspolitische Realität ermöglichen, werden in diesem sehr umfassenden Lehrbuch breit abgedeckt.
Mein Fazit:
Weil dieses Buch eine enorme Wissensabdeckung ermöglicht, die Inhalte zwar sehr formal, aber dafür vollständig und korrekt präsentiert werden und sowohl für Studienanfänger als auch für fortgeschrittene Studenten eine wertvolle Lektüre darstellen kann, in der auch wirtschaftspolitische Problemfälle ausführlich behandelt werden, kann ich dieses Lehrbuch durchaus den angesprochenen Zielgruppen und auch sonstigen Interessenten weiterempfehlen, die mehr über mikroökonomische Inhalte erfahren möchten.
Mit einem Preis von maximal 20,95 Euro ist das Preisverhältnis aus meiner Sicht als rundum gut zu bezeichnen.
Pro: Sehr umfassende und breite Themenabdeckung, relativ verständlich geschrieben.
Contra: Kaum konkrete Beispiele, keine Farbzeichnungen, sehr formale Darstellung der Inhalte.