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Subercaseaux Elizabeth Eine Woche im Oktober

Autor: giselamaria
Bewertung: 6,00 | 1 Stimme
Beschreibung:

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Elizabeth Subercaseaux: Eine Woche im Oktober
von: giselamaria |  08.02.2010 15:55:28

Die Autorin

"Die Autorin Elizabeth Subercaseaux, geb. 1945 in Chile, ist die Ururenkelin von Robert und Clara Schumann. Mit 22 zog sie nach Spanien, wo sie ihre jornalistische Karriere begann.


Später arbeitete sie während der Pinochet-Diktatur 17 Jahre lang als Journalistin im Untergrund, eine Zeit in der ihre halbe Familie ins Exil geschickt und sie in ihrem Haus fast zu Tode geprügelt wurde.
Kurz nachdem sie mit Mitte vierzig mit dem Schreiben von Büchern begann, wurde sie in Chile zur Bestsellerautorin.
Eine Woche im Oktober ist das erste Buch, das auf Deutsch erscheint.


Von einer Diktatur in die andere: Während die Ururenklin Robert und Clara Schumanns in Francos Spanien eher für konservative Zeitungen gearbeitet hatte, schloss sie sich nach ihrer Rückkehr nach Chile der Opposition an und sah bis zum Ende des Pinochet-Regimes ihre Aufgabe vorrangig darin, in Zeitungsartikeln, Interviews und Sachbüchern über die Diktatur aufzuklären, gegen sie anzuschreiben. Das hatte ihr unter anderem einen Überfall durch Schläger des Regimes eingebracht. Während dieser Jahre lebte der größte Teil ihrer Familie im Exil. Bald darauf traf sie ihren künftigen Mann, einen amerikanischen Professor für Lateinamerikanistik, mit dem sie seitdem wechselweise in den USA und in Chile lebt. Erst nach Chiles Rückkehr zur Demokratie machte sie ihren lang gehegten Kindheitswunsch wahr und fing an, Romane zu schreiben. Ihr jetzt ins Deutsche übersetztes Buch "Eine Woche im Oktober" ist inzwischen ihr zehnter. Erstaunlich, dass trotz des ehemaligen Engagements in der rund 200 Seiten starken Novelle Politik nicht vorkommt.

Daten zum Buch:
Übersetzt von Maria Hoffmann-Dartevelle Pendo Verlag München 2008, 200 Seiten, 18 Euro "
(dem Klappentext entnommen)

Noch Klappentext:
"Santiago de Chile, Clara Griffin ist 46 Jahre alt, als sie die tödliche Diagnose erfährt: Krebs. Ein Jahr später findet Clemente, ihr Mann, ein Heft mit Aufzeichnungen von ihrer Hand. "Eine Woche im Oktober" steht in chinesischer Tinte darauf geschrieben. Zögerlich beginnt er zu lesen und entdeckt eine Frau, die er nie kannte. Denn Clara beschreibt ihre Ehe als hohl und leer. Und: Offenbar weiß sie seit langem, dass Clemente eine Geliebte hat, zu der sie all die Jahre schwieg, weil sie um die Sicherheit ihrer Ehe fürchtete. Bis sie durch Zufall Leon begegnet, einem Mann, der -Ähnlich krank ist wie sie - - -. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Affäre, die Clara, die sich als Frau nie zuvor das Recht herausgenommen hatte, wirklich zu leben, grundlegend verändern soll. Doch manchmal ist die Wirklichkeit anders, als sie scheint. Und manchmal sind die Wege, über die eine Frau sich endlich jenes Leben verschafft, das sie nie hatte, geheimnisvoller, als eine Affäre je zu sein vermag."


Meine Zusammenfassung

Das Buch ist gegliedert in 18 Kapitel, die zwei Teile beinhalten: die einen sind im Heft, die anderen dazwischen..

Die Ankündigung
Das Heft
Zwei Gesichhter auf der Treppe
Das Heft
Der Tunnel
Das Heft
Ein Fremder im Café
Das Heft
Leonel Hyde
Das Heft
Sonntag, Erinnerungen
Das Heft
Montag, Ruhelosigkeit
Das Heft
Dienstag, Wiedersehen
Das Heft
Samstag, Tod
Das Heft

Es beginnt mit dem ersten Tagebucheintrag in dieses Heft (Die Ankündigung).

Clara beschreibt; sie erinnert sich an den letzten Tag, ihr letztes Kapitel in diesem Heft. Es ist der Tag, als sie neben Leonel im Bett liegt, und er gestorben ist.
Ein Auszug:


"----ich dachte anfangs, ich wäre es gewesen, die ihn mit meinem Unglück angesteckt hatte, ich wäre es gewesen, die zu einer Art verkehrtem König Midas geworden war, und alles, was ich berührte, verwandle ich in Tod. Ich fühlte mich für seinen Tod verantwortlich, so wie bisweilen für meinen eigenen näher rückenden Tod. Aber jetzt wird mir klar, dass ich, mag auch diese unheilvolle Krankheit das Vorzeichen meines eigenen Endes sein, nichts mit dem Sterben meines Geliebten zu tun hatte. Leonels Tod hatte seine eigene Geschichte, und die hatte eine Woche zuvor begonnen, an jenem Samstag in meinem Obstgarten, als ich die sonderbare alte Frau neben den Pflaumenbaum pinkeln sah. - -- - - -- - -plötzlich war ich mir ganz sicher, dass noch jemand im Obstgarten war. Ich drehte den Kopf und sah eine große, knochige, in schwarze Lumpen gehüllte alte Frau. Sie war aus dem Nichts aufgetaucht und hockte nur wenige Meter von mir entfernt neben dem Stamm eines Pflaumenbaumes und pinkelte. Die alte sah mich nicht einmal an. Sie pinkelte weiter, als wäre ich gar nicht da. Wie hypnotisiert starrte ich auf ihren Strahl, einen kristallklaren Strahl von gleichmäßigem Fluss, einen hellgoldenen Faden, der mich außerordentlich verblüffte, da ich gedacht hätte, der Urin des Todes sei eine zähe, grüne Flüssigkeit mit einem Geruch, der sich für immer in der Nase festsetzt. Die Alte pinkelte so seelenruhig, ohne jegliche Eile oder Scham, als wollte sie ihr Leben lang weiter pinkeln. Und ich wusste, es war meine Pflicht, zu warten, bis sie fertig war. ----------am naheliegendsten war der Gedanke, meine Krankheit habe diese Form gewählt, um mir zu verkünden, sie werde mich vernichten, und doch sagte mir eine leise innere Stimme, nein, das ist es nicht, die Alte ist gekommen, um mich auf etwas hinzuweisen. ----------------------------------was ich da erlebte, kündigte mir den Tod meines Geliebten an, doch in diesem Augenblick konnte ich das natürlich unmöglich wissen, weil es meinen Geliebten nicht gab. Das heißt, für viele Leute gab es ihn, aber nicht für mich. ------------------- Zu meiner Verwunderung löste sich die Alte plötzlich in Rauch auf und verschwand so unvermittelt, wie sie gekommen war.-------------------------------"


Im nächsten Kapitel (Das Heft) sind die Gedanken von Clemente, und das Erleben des Lesens dieses Hefts, das in einer Küchenschublade liegt, die einzige Schublade, die er oft benutzt, weil da die Taschenlampe drin liegt.

Er liest diese Einträge, vergleich sie mit den Erlebnissen, die Clara da schildert, und einige stimmen auch genau überein, aber andere wiederum scheinen frei erfunden zu sein. Was er aber liest, und ihn schockiert ist, wie sie ihn, ihre Ehe, ihr Haus, ihr Verhältnis zueinander, in Worte fasst, und vor allem, wie sie über ihren Geliebten schreibt.

Leonel Hyde ist ihm bekannt, es ist ein Kunde, und er war mal zum Abendessen eingeladen, das stimmte schon, nur dass Clara mit diesem ein Verhältnis begonnen hatte, war ihm nie in den Sinn gekommen.


Und so kommen, immer abwechselnd, die Einträge im Heft, und dann die Schilderung, wie Clemente das sieht, was er denkt nach dem Lesen, aber auch das reale Leben mit Clara. Clemente hatte seit einigen Jahren eine Geliebte, und als er die Diagnose Krebs seiner Frau erfuhr, beschloss er, sein Verhältnis zur Geliebten zu beenden. Er traf sich nicht mehr mit ihr, kümmerte sich nur noch um Clara, die einige OPs und Chemotherapie usw. durchzustehen hatte.
Er las also immer weiter in diesem Heft, und immer war wieder weiter geschrieben worden. Clara musste also, wenn er nicht da war, in dieses Heft geschrieben haben. Und sie muss es dahin gelegt haben, wo sie genau weiß, er wird es finden, und lesen. Und ihr Kalkül ging auf, er las es regelmäßig.

Er versuchte eine Erklärung zu finden, warum ihre Ehe so geworden war, wie Clara sie beschrieb. Sie waren über 20 Jahre verheiratet, kinderlos, er erfolgreich selbständiger Architekt, sie bewohnten ein eigentlich schönes Haus, das von Clara allerdings nicht als so schön befunden wird.

Und dass mit den Jahren eben keine Leidenschaft im sexuellen Bereich mehr da ist, hält er auch nicht für ungewöhnlich. Aber dass Clara sich einen Geliebten genommen hat, das schockiert ihn und macht ihn rasend eifersüchtig. Er denkt oft daran, Kontakt mit Leonel aufzunehmen, über seinen Freund könnte er Telefon und Adresse herausbekommen, aber dazu ist er dann doch nicht in der Lage.
Dann wieder das Heft, wo ich mal eine Stelle aussuche:


"Ich kam aus der Dusche und war entschlossen, die Krankheit nicht länger als eine Art Trojanisches Pferd zu sehen, das einem inneren Feind den Sieg ermöglicht. Denn wir alle tragen einen inneren Feind in uns, ein verborgenes Ungeheuer, das uns anspringt, wenn wir am wenigsten damit rechnen, einen finsteren Zwilling, der als Schwamm der Seele fungiert und solange das ganze Elend des Lebens aufsaugt, bis er überläuft. - Plötzlich fühlte ich mich wie eine Überlebende-------------"


Clemente bemerkt schon, dass ein Teil des Inhalts im Heft Ausschmückungen sind, die nicht der Realität entsprechen, kam aber zur Erkenntnis, dass das nicht das Wesentliche war, das ausgedrückt werden sollte.


"------er war ganz und gar auf die Geschichte konzentriert, die hinter all dem lag, Samstag, den 9. Oktober, Sonntag, den 10. Oktober -, die unzweideutige Geschichte eines Liebensabenteuers, das Clara mit Leonel Hyde erlebt hatte. Wobei es ihm nicht sehr glaubwürdig erschien, dass sie unter den gegebenen Umständen zu so etwas fähig gewesen sein sollte. Er verspürte eine plötzliche innere Leere, als er sich Clara und ihren abgemagerten Körper vorstellte, diesem Mann gegenüber, der so mager war wie sie. Nein, er schaffte es nicht.-----------"


Als Clemente das letzte Kapitel liest kommen ihm viele Gedanken. u.a. auch diese:

"---------Claras Worte und ihre gemeinsamen Stunden mit Leonel taten ihm so weh, wie ihm noch nie etwas weg getan hatte. Aber es war nicht der Schmerz der Eifersucht, sondern Schmerz über den eigenen Irrtum, über seine Schuld, seinen entsetzlichen Fehler. Er hatte versagt, er war ein erbärmlicher Ehemann gewesen. Er hatte sie fast ein Leben lang betrogen, leichtfertig, ohne die Folgen zu bedenken, ohne sich je an ihre Stelle zu versetzen.--------------------"


Das Ende des letzten Kapitels lasse ich bewusst aus. Ganz einfach, weil es alles auflöst, und wenn dieses Buch jemand lesen möchte, sollte er eben das Ende nicht wissen, weil sonst die Spannung verloren geht.


Meine Meinung

Es ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe.
Mit seinen 200 Seiten war es nicht nur schnell gelesen, weil es eben so wenig Seiten hat, sondern weil ich es kaum weglegen konnte. -


Schon gleich zu Beginn fiel mir die hervorragende Sprache auf. Der Aufbau ist in meinen Augen sehr gut gelungen. Im Wechsel zu erzählen, was im "Heft" steht, dann wiederum die Geschichte, wie Clemente das erlebt.

Als dann die ersten Ausschmückungen erwähnt werden, Clemente vergleicht ja immer die Einträge im Heft mit den wirklich geschehenen, soweit er sie selbst mitbekommen hat, wird es dann schon mehr oder weniger diffus, aber die Spannung nimmt zu.


Hinter jeder Geschichte, die Clara niederschreibt, steckt eine Realität, wenn nicht direkt, dann indirekt, sie benutzt ihre Ausschmückungen quasi, um etwas auszudrücken.


Was natürlich zu denken gibt ist, wieso diese Clara das alles, und das auch noch mit der Gewissheit ihres eigenen, bevorstehenden Todes, niederschreibt, mit der Absicht, dass es Clemente liest.
Wieso niemals ein Gespräch möglich war, wo sie ihm das hätte normal erzählen können, wie es ihr geht.


Es hatte keine Möglichkeit gegeben in ihren Augen, bzw. sie sah keine Möglichkeit aufgrund des Verhaltens ihres Mannes, das ihr einfach keine Gelegenheit bot, mit ihm über ihre eigenen, intimsten Gefühle zu sprechen.

Die Autorin benutzt diese Brustkrebserkrankung von Clara nicht nur, um zu beschreiben, wie es einer Frau in ihrem Alter damit geht (was ihr auf eine wunderbare Art gelungen ist, nicht Angst machend, sondern eigentlich ein positives Gefühl hinterlassend), sondern verknüpft das mit den Problemen einer Ehe.

Die Autorin vermeidet es, Schuldzuweisungen auch nur anzudeuten.

Als Schlusssatz benutze ich diesen Satz der Autorin, dem Klappentext entnommen:

"Wenn ich nur eines an meine Leserinnen und Leser weitergeben könnte, dann wäre es folgendes:

Dass wir alle eine Liebe haben sollten,
bevor wir aus dem Leben gehen,
ganz gleich, mit welchen Problemen wir zu kämpfen haben.
Wir sollten eine Liebe haben.
Eine wirkliche Liebe.
Wenigstens einmal in unserem Leben."

 

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